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Zwischen Angst und Optimismus

03.04.2020 | Von: Thomas Rudolph (Mediengruppe Thüringen) // Fotos: Christian Habel
Kategorie: 1. Mannschaft Herren, Verein

Tischtennis-Erstligist Post Mühlhausen kämpft im Jahr vor dem 70. Geburtstag ums Überleben

Mühlhausen. Es ist ein mulmiges Gefühl, welches die Verantwortlichen von Post Mühlhausen in diesen Tagen umtreibt. Irgendwo zwischen Hoffen und Bangen, Zuversicht und Zukunftsängsten. Es ist kein blinder Zweckoptimismus, der bei dem Tischtennis-Erstligisten betrieben wird. Aber die aus der Corona-Krise entstehende Situation sorgt für manche schlaflose Nacht. „Wirtschaftlich gibt es keinen Grund zur Euphorie. Wir haben Kurzarbeit für alle Mitarbeiter beantragt, müssen abwarten“, sagt Geschäftsführer Thomas Stecher. Täglich sind die oberen Gremien in Kontakt, auch wenn die Planung gar nicht über einen langen Zeitraum gehen kann. Vieles hängt von Entscheidungen des europäischen Verbandes, der Tischtennis-Bundesliga, vor allem aber der Politik ab. Wann werden die Hallen wieder geöffnet? Wann kann ein regulärer Trainingsbetrieb wieder stattfinden? Sind Wettbewerbe jeglicher Art in den nächsten Wochen oder Monaten realistisch?

Seit das Virus den Sportbetrieb lahmlegt, wird bei den Postlern zwangsweise jeder Euro zweimal umgedreht. „Dabei hatten wir noch Glück. Wir konnten unser letztes Heimspiel vor ausverkauftem Haus austragen und so wichtige Einnahmen generieren“, meint Stecher. Dass der abschließende Spieltag der Bundesliga ausfiel, stört in der Liga so wirklich niemanden. Alle Fragen sind geklärt, vielmehr geht es darum, die Krise irgendwie wirtschaftlich zu überstehen. Und hier sieht der Geschäftsführer mit seiner Ehefrau Maria, die als Schatzmeisterin im Vorstand und Steuerberaterin die Einkünfte des Vereins verwaltet, dunkle Wolken aufziehen. „Wir haben viele Sponsoren aus dem Mittelstand, darunter Hoteliers und Gaststätten. Ich rechne mit 30 bis 40 Prozent weniger Sponsorengeld“, sagt Stecher.

Für seine Gattin bedeuteten die vergangenen Tage eine Dauerüberprüfung der Arbeitsverhältnisse. Im März waren die vier Profis und das Trainerteam rund zehn Tage für den Verein tätig – das beinhaltete sowohl Spielbetrieb und Training, aber auch Sponsorentermine. Doch seit der Ball ruht und vor allem dann, wenn die Kurzarbeit wirkt, müssen auch sie schmerzhafte finanzielle Einschnitte verkraften. „Die Spieler waren sehr diszipliniert und hatten Verständnis. Sie wissen ja, dass es ihnen auch nichts bringt, wenn der Verein Bankrott geht“, sagt Maria Stecher. Alle vier Profis wissen um die Lage und können demnach für ihre Zukunft Rückschlüsse ziehen. Es gibt jedoch auch andere Probleme: Auf der einen Seite werden dem Verein frühzeitig gesicherte Einnahmen in Form von Dauerkarten–ein fünfstelliger Betrag – vorerst fehlen. „Wenn keiner weiß, wie und wann es wieder losgeht, kauft auch niemand auf Verdacht“, sagt Maria Stecher. Gleichwohl bleiben monatliche Fixkosten für die vereinseigene Halle „Am Kristanplatz“. Und je länger die Pause dauert, desto fraglicher ist, ob alle 115 Jugendlichen unter 18 Jahren danach wieder zum Schläger greifen und dem Sport treu bleiben. Einbußen bei den Mitgliedsbeiträgen sind nicht ausgeschlossen. Selbst das Geschäft mit den Fan-Utensilien bleibt momentan deutlich hinter den Zahlen vergleichbarer Monate zurück – ein Teufelskreis.

Mit der misslichen Lage ist Post nicht allein. Alle höherklassigen Vereine sitzen im gleichen Boot. Finanzielles Mäzenatentum gibt es in Thüringen kaum bis gar nicht. René Witte, Manager des Handball-Zweitligisten ThSV Eisenach, nahm deshalb Kontakt zu den höherklassigen Vereinen auf und sprach unter anderem auch mit den Postlern. „Die Gespräche waren wie auch die mit dem Kreis- und Landessportbund sowie dem Thüringer Verband sehr hilfreich. Wir hoffen auf ein schnelles Hilfspaket für den Thüringer Sport und die Vereine, die Unterstützung brauchen“, sagt Thomas Stecher. Gewillt ist jeder, den Profisport – so auch in Mühlhausen – am Leben zu erhalten. Wie genau das geschehen und inwieweit auch die Landes- oder Bundespolitik helfen kann, wird sich aber erst noch zeigen. Bis dahin sind die Mühlhäuser bestrebt, ihre eigenen Hausaufgaben zu erledigen. „Wir haben geltende Verträge, die wir einhalten wollen“, sagt Maria Stecher. Vorsorglich meldete der Verein – wie jedes Jahr – bereits im Januar auch für die 2. Bundesliga. „Damit wollen wir uns absichern, dass wir, sollte die Lizenzierung nicht erfolgreich sein, nicht zu tief zu fallen“, so Stecher. Wie so viele hofft er jedoch, dass der schlimmste Fall nicht eintritt. „Wir schauen nach allen Möglichkeiten der Förderung, stehen mit vielen Sponsoren in Kontakt. Bisher hat sich noch keiner gemeldet, der abspringen will“, ist der Geschäftsführer froh. So bleibt das Ziel, auch in der neuen Saison in der Bundesliga aufzuschlagen. „Im nächsten Jahr wird Post 70 Jahre alt. Es wäre sehr schade, wenn wir dieses Jubiläum nicht feiern könnten. Ich hoffe, unsere Anstrengungen fruchten. Wir bleiben mutig, denn Angst ist ein schlechter Ratgeber.“

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