Aktuelles

Auch im zweiten Jahr das Viertelfinale erreicht

30.03.2020 | Von: Thomas Stecher // Fotos: Christian Habel & Maria Stecher
Kategorie: 1. Mannschaft Herren

Tischtennis-Erstligist Post SV Mühlhausen ist in der Champions League erst unter den besten acht Mannschaften Europas an Saarbrücken gescheitert. Einmalige Erfahrungen und Erlebnisse bleiben

Mühlhausen. Auch der zweite Teil des Saisonfazits 2019/20 fällt für die 1. Herren-Mannschaft des Post SV Mühlhausen durchaus positiv aus. Neben Platz fünf in der Tischtennis-Bundesliga (TTBL), nach zwei sechsten Rängen in Serie das bisher beste Resultat seit dem Aufstieg 2013, steht das neuerliche Erreichen des Viertelfinales in der Champions League (TTCLM). Nach überstandener Gruppenphase war unter den besten acht Teams der 1. FC Saarbrücken in Hin- und Rückspiel zu stark.

„Ich bin zufrieden mit unserem Abscheiden. Im zweiten Jahr in der Champions League das zweite Mal im Viertelfinale. Das können gewiss nicht viele Thüringer Vereine in ihre Vita schreiben. Und wir hatten wahrlich keine Leichtgewichte als Kontrahenten“, erklärt Thomas Baier, Präsident des Post SV.

Die Auslosung in der Zentrale der Europäischen Tischtennis-Union (ETTU) hatte den Mühlhäusern keine einfache Gruppe beschert. „Im Fußball würde man von einer Hammergruppe oder sogar noch Schlimmerem sprechen“, meint Baier. Das Los hatte das Team von Trainer Erik Schreyer, im Vorfeld auf Position fünf der Setzliste, in die Gruppe A gespült – ein neuerliches Aufeinandertreffen mit dem topgesetzten Titelverteidiger Fakel-Gazprom Orenburg war somit unausweichlich. Hinzu gesellten sich mit dem VS Angers TT aus Frankreich einer der Halbfinalisten der Vorsaison und dem spanischen Vertreter Leka Enea TDM ein recht unbekannter Gegner. „Ziel war es trotz der starken Konkurrenz, nach der Winterpause auf der europäischen Bühne vertreten zu sein. Entweder, als Gruppenzweiter im Viertelfinale der Champions League, oder, als Dritter im European Cup. Mit dieser Zielsetzung sind Mannschaft und Verein in den Wettbewerb gestartet“, erinnert sich Chef-Coach Erik Schreyer.

Gleich das erste Spiel im September 2019 hielt für den Post SV eine Premiere parat: Erstmals in der fast 70 Jahre umfassenden Vereinsgeschichte reisten Team und Fans nach Spanien. Im Norden der Iberischen Halbinsel, unmittelbar an der französischen Grenze, traf man in Irun auf Leka Enea. Die stolzen Basken hatten, der Papierform nach, eine konkurrenzfähige Truppe, doch bereits im Hinspiel mit erheblichen personellen Sorgen zu kämpfen. Beim 3:0 gewährte die Mannschaft den sympathischen Gastgebern und ihrem feurigen Publikum lediglich einen Satzgewinn. Zum gleichen Endergebnis in Mühlhausen Anfang Dezember waren es immerhin drei Satzgewinne, die Leka Enea verbuchen konnte.

Ähnliche Kräfteverhältnisse herrschten dann auch zwischen Post und Orenburg – allerdings zugunsten des russischen Spitzenclubs. Schon im Hinspiel in der restlos ausverkauften Halle am Kristanplatz wollte der fünffache Champion nichts dem Zufall überlassen. Mit Deutschlands Superstar Dimitrij Ovtcharov, dem Portugiesen Marcos Freitas und dem Doppel-Weltmeister von 2013, Chuang Chih-Yuan aus Taiwan, auflaufend, zeigte man den tapferen Postlern klar die Grenzen auf: 0:3 und 2:9-Sätze aus Sicht der Müntzerstädter. Dabei hatten sich die Russen sogar den Luxus erlaubt, Tischtennis-Legende Vladimir Samsonov auf der Bank sitzen zu lassen.

Rein sportlich gesehen lief das Rückspiel im weit entfernten Orenburg noch einen Grad schlimmer: Daniel Habesohn konnte die Reise krankheitsbedingt gar nicht erst antreten, Steffen Mengel saß mit kurzfristig aufgetretenen Rückenproblemen nur auf der Bank, Ovidiu Ionescu gegen den nun eingesetzten Samsonov und Lubomir Jancarik im Duell mit Freitas blieben blass. Erst Spielertrainer Erik Schreyer sorgte für Belebung, begeisterte in einer sehenswerten Partie gegen Talent Denis Iwonin das gewiss verwöhnte Publikum und erntete viel Applaus. Am 0:3 änderte das nichts. Doch nicht die heftige Niederlage wird vordringlich in der Erinnerung der Thüringer Delegation bleiben: „Wir haben so viel Herzlichkeit erfahren, haben unvergessliche Eindrücke gewonnen. Zwischen den beiden Vereinen hat sich über die beiden Jahre in der Champions League eine Freundschaft entwickelt“, sagt Thomas Baier.

Um das Erreichen des zweiten Platzes hinter den nicht zu bezwingenden Orenburgern lieferten sich also die Postler und der VS Angers TT zwei intensive Duelle. In Frankreich erwischten die Schreyer-Männer einen rabenschwarzen Tag; nur Daniel Habesohn erreichte seine Form und eroberte beim 1:3 wenigstens den Ehrenpunkt. Dennoch stand für das Rückspiel eine Hypothek – eine zu hohe. Nach heroischem Kampf bis tief in die Nacht behaupteten sich die Mühlhäuser zwar mit 3:2, doch der für ein Weiterkommen entscheidende direkte Vergleich war verloren. Mannschaft und Verantwortliche stellten sich auf Platz 3 und ein Weiterspielen im Viertelfinale des European Cups ein.

Was folgte, war eine Kuriosität in der Geschichte der europäischen Tischtennis-Königsklasse: Angers „schenkte“ das Spiel bei Leka Enea mit 2:3 ab, gab das im Anschluss in der französischen Presse noch wortreich zu und gratulierte dem Post SV zum Viertelfinale. Begründung: Im European Cup würde man sich gute Chancen ausrechnen, zudem wären die Kosten beim potenziellen Wiedererreichen eines Duells mit einer russischen Mannschaft und des anschließend möglichen Halbfinals einfach zu hoch. „Anders als im finanziell hochgezüchteten Fußball, ist der Europapokal im Tischtennis keine Gelddruckmaschine. Ab dem Halbfinale müssen die Vereine die Kosten der Fünf-Kamera-Internet-TV-Produktion selbst bestreiten, ohne Rechte am eigenen Bild oder der Werbung zu besitzen. Das ist kein zusätzlicher Anreiz für die Clubs, vor allem, wenn man die lächerlichen Preisgelder ins Kalkül zieht“, findet Post-Präsident Thomas Baier offene Worte.

Während Angers disqualifiziert und mit einer hohen Geldstrafe belegt wurde, ging die Champions-League-Reise für die Mühlhäuser also wider Erwarten weiter. Und der Gegner war kein Unbekannter. Mit dem 1. FC Saarbrücken TT wartete der Tabellenführer der Tischtennis-Bundesliga und Topfavorit auf den deutschen Meistertitel. Außerdem hatten die Postler mit einem erheblichen Handicap zu kämpfen: Kapitän Daniel Habesohn sollte von der ETTU keine Spielberechtigung für die Hauptrunde erteilt bekommen. Dennoch wehrten sich Teamgefährten mit Bravour. In Mühlhausen glichen sie einen 0:2-Rückstand aus, um letztlich knapp 2:3 zu unterliegen. Mit etwas mehr Glück wäre vor über 400 begeisterten Fans sogar ein 3:1 möglich gewesen. Apropos Glück: Das wichtige Quäntchen, das nötig ist, eine internationale Spitzenmannschaft zu besiegen, fehlte den Postlern auch beim 1:3 in Saarbrücken. „Ich bin stolz auf meine Jungs. Trotz vieler Widrigkeiten haben wir eine ordentliche zweite Saison in der Königsklasse gespielt. Wir werden wiederkommen“, konstatiert Erik Schreyer.

Jetzt bookmarken:del.icio.usgoogle.comLinkaARENAMister WongFacebook TeilenTwitter

Kommentare

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Verfassen Sie einen Kommentar

  • CAPTCHA Bild zum Spamschutz
    Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
  • * ... Pflichtfelder

Kalender

« Juli 2020 »
MoDiMiDoFrSaSo
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031