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„Wir sind noch lange nicht am Ende des Weges angelangt“

02.11.2018 | Von: Thomas Stecher (Quelle: Thüringer Allgemeine)
Kategorie: 1. Mannschaft Herren, Erik Schreyer

Erik Schreyer, Trainer von Tischtennis-Erstligist Post Mühlhausen, hat weiter ehrgeizige Ziele

Mühlhausen. Auch nach dem 8. Spieltag steht der Post SV Mühlhausen auf dem ersten Platz der Tischtennis-Bundesliga (TTBL); in der Vorrunde der Champions League (TTCLM) liegen die Thüringer nach der Hälfte der zu absolvierenden Partien auf Rang 2 hinter dem großen Favoriten aus Orenburg (Russland).

Einer der „Väter des Erfolges“ ist der erst 30-jährige Mühlhäuser Chef-Trainer Erik Schreyer. Mit unserer Zeitung spricht er exklusiv über schlaflose Nächte, neu definierte Ziele, die große Tischtennis-Euphorie, besondere Momente sowie seine ganz persönlichen Wünsche.

Herr Schreyer, können Sie überhaupt noch ruhig schlafen? Oder hält Sie die permanente Euphorie wach?
(Lacht). Ich muss ehrlich gestehen, dass ich in den letzten Tagen schon sehr unruhig geschlafen habe und nicht bloß einmal schweißgebadet aufgewacht bin. Dann musste ich mich kurz finden und mir verdeutlichen, dass ich das nicht nur geträumt habe. Denn unsere Serie in der 1. Liga mit sechs Siegen aus sieben Partien und zwei von drei gewonnenen Duellen in der Champions League ist außergewöhnlich.

War im Vorfeld der Saison auch nur ansatzweise mit solchen Resultaten zu rechnen?
Das ist recht schwierig zu beantworten, denn im Tischtennis, gerade auf diesem Weltklasseniveau, kann man nicht immer von der nackten Papierform ausgehen. Nehmen wir unseren Neuzugang Steffen Mengel als Beispiel. Er war lange Zeit verletzt und steht in der Weltrangliste nach wie vor unter ferner liefen. Ihn hatte die Konkurrenz sicherlich nicht auf dem Schirm. Allerdings haben wir fest an ihn geglaubt, und nun ruft er im Post-Trikot tolle Leistungen ab. Auf der anderen Seite hat sich ja in der letzten Spielzeit bereits angedeutet, was in Mühlhausen alles möglich ist, wenn wir hart arbeiten und alle fit sind.

Hat der Verein seine Ziele bereits neu definiert?
Was das angeht, sind wir alle gemeinsam sehr vorsichtig, da wir aus Erfahrung wissen, wie schnell lebig der Sport ist. Dennoch muss man deutlich sagen, dass es bei der momentanen Verfassung unserer Spieler hanebüchen wäre, sich mit dem ursprünglich avisierten sechsten Platz begnügen zu wollen. Wir haben mit Daniel Habesohn, Ovidiu Ionescu, Lubomir Jancarik und Steffen Mengel vier absolute Klassespieler, die höchsten Ansprüchen genügen. Daher wollen wir in die Play-offs einziehen. Zudem liebäugeln wir massiv mit einem Viertelfinaleinzug in der Champions League.

Viel wird bei Post Mühlhausen über den einzigartigen Teamspirit gesprochen. Ist dieser wirklich das ganz große Geheimnis, das hinter den Erfolgen Ihrer Mannschaft steht?
Ich spreche sehr viel mit unseren Spielern, und sie bestätigen mir immer aufs Neue, dass der Tischtennis-Standort Mühlhausen und der Post SV schon außergewöhnlich sind. Obwohl es im Normalfall ein knallhartes Profi-Geschäft ist, herrscht bei uns eine besonders familiäre Atmosphäre. Alle arbeiten eng zusammen, und die tollen Fans tun ihr Übriges. Hinzukommt, dass unsere vier Spieler und ich als Trainer ungefähr das gleiche Alter haben. Wir ziehen an einem Strang, verstehen uns wunderbar und ordnen dem gemeinsamen Erfolg alles unter.

Apropos Erfolg: Der weckt ja bekanntlich Begehrlichkeiten. Kann der Verein die tollen Spieler wie Österreichs Doppel-Europameister Daniel Habesohn in Zukunft halten?
Genau darüber haben wir uns in den letzten Wochen intensive Gedanken gemacht. Der angesprochene Daniel Habesohn zählt für mich klar zu den besten Spielern in Europa. Deshalb war es für mich und für den gesamten Verein ein unbeschreiblich tolles Gefühl, als unser Präsident Thomas Baier nach unserem jüngsten Liga-Erfolg über Grünwettersbach den Fans verkündet hat, dass Daniel seinen Vertrag bei Post bis 2021 verlängert hat – trotz zahlreicher sehr lukrativer Angebote. Mit den anderen Spielern werden gerade sehr gute Gespräche geführt. Denn eines ist klar: Obgleich es ein großer Kraftakt wird, wir wollen unseren jetzigen Kader unbedingt behalten.

Hand aufs Herz, haben Sie als Trainer auch schon gute Angebote auf dem Tisch liegen?
Das Handy steht im Moment kaum eine Minute still, und da ist vielleicht auch eine Anfrage für mich mit dabei. Doch das steht überhaupt nicht zur Debatte. Ich weiß, was ich beim Post SV habe. Und: Wir sind noch lange nicht am Ende unseres Weges angelangt.

Am Sonntag ist Post in der Liga zu Gast in Saarbrücken. Im Pokal gab es dort eine von bisher nur drei Niederlagen. Zeit für die Revanche, oder?
Unbedingt! Außer Düsseldorf und Saarbrücken haben wir schon alle TTBL-Teams geschlagen. Nun ist es an der Zeit, das am Sonntag auch im Saarland endlich zu schaffen. Zumal es gegen einen der direkten Play-off-Konkurrenten geht.

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