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Debütantenball und ein erfahrener Fuchs

03.03.2018 | Von: Thomas Rudolph (Quelle: Thüringer Allgemeine)
Kategorie: Erik Schreyer, Andreas Wenzel

Mit Erik Schreyer und Andreas Wenzel starten zwei Post-Akteure bei der DM in Berlin

Mühlhausen. Noch hält sich die Aufregung bei Andreas Wenzel in Grenzen – noch, wohlgemerkt. Die entspannte Lage dürfte sich am heutigen Freitag aber doch ändern, wenn der 20-Jährige zum ersten Mal an den Tisch gebeten wird. „Nervös bin ich nicht“, meint Wenzel jedoch vor seinem ersten richtig großen Turnier im Erwachsenenbereich.

Die an diesem Wochenende im Berliner Sportforum stattfindenden deutschen Meisterschaften im Tischtennis gleichen für dem ehemaligen Sportschüler, der jetzt beim Thüringer Verband ein Freiwilliges Soziales Jahr ableistet, einem Debütantenball. Zwar nahm er in der Jugend schon einmal an einer DM teil – bei den Herren ist es jedoch eine Premiere.

Qualifiziert hatte er sich durch seinen starken zweiten Platz bei den Mitteldeutschen Meisterschaften in Riestedt, bei denen er nur Klubkamerad Erik Schreyer den Vortritt lassen musste, diesen im direkten Duell sogar bezwang. Nun gilt es für ihn, sich als Außenseiter in einer Vierergruppe zu beweisen. Schafft er es unter die ersten Zwei, ist ein Platz in der K.o.-Runde sicher, wo dann die ganz „Großen“ warten. „Ich bin nicht gesetzt und schaue, was sich ergibt. Vor allem möchte ich die Atmosphäre genießen“, übt sich Wenzel in Bescheidenheit.

Die kommt nicht von ungefähr. Oft schon hatte sich der Drittliga-Spieler der Post-Zweiten eine Qualifikation für das wichtigste innerdeutsche Turnier vorgenommen, mitunter bremsten ihn Verletzungen aus oder die Leistungen bei den Mitteldeutschen reichten nicht für einen Qualifikationsplatz. Umso größer ist die Freude, das erste Etappenziel endlich geschafft zu haben. „Zehn Jahre Leistungssport habe ich gebraucht, um da hinzukommen. Damit ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen“, sagt Wenzel.

Und gänzlich chancenlos sieht er sich auch in der Gruppe nicht. Der 6:4-Derbysieg mit Post II am vergangenen Wochenende über den Thüringer Konkurrenten Schott Jena hat Selbstvertrauen gegeben. Zudem bezwang er seinen großen Rivalen Leonard Süß in vier Sätzen. „Ich selber habe ganz vernünftig gespielt. Das ist gut für den Kopf und gibt mentale Stärke“, fügt er an. Ein weiteres Plus sieht Wenzel in seiner neuen Rolle als Trainer. „Das eigene Trainingspensum ist zwar nicht mehr so groß, aber dafür habe ich einen anderen Blickwinkel bekommen. Ich ziehe jetzt mitunter andere Rückschlüsse, entscheide in manchen Situationen anders“, meint er. Auch die Verantwortung, die er gegenüber den Sportschülern hat, habe ihn reifen lassen. „Man muss sich immer vor Augen halten, dass man mit Leistungssportlern trainiert“, sagt er.

Einen Traum würde er sich noch gerne erfüllen – und mit viel Glück könnte er am Wochenende wahr werden. „Einmal gegen Timo Boll spielen, das wäre das Größte. Er ist das Idol schlechthin, da gibt es keine Steigerung“, blickt der Thüringer, der mit dem jungen Sachsen Benno Oehme im Doppel startet, voraus.

Wie es ist, gegen Timo Boll am Tisch zu stehen, kann ihm Erik Schreyer erzählen. Im letzten Jahr traf er auf den Ausnahmekönner – und auch wenn er klar den Kürzeren zog, überwog die Freude. Im Gegensatz zu Teamkamerad Wenzel ist Schreyer schon ein „erfahrener Fuchs“. Bereits neun Teilnahmen hat der gebürtige Vogtländer vorzuweisen – eine stolze Zahl. „Dennoch ist die DM immer eines der Highlights in der aktiven Karriere“, befindet er.

Durch den Sieg bei den Mitteldeutschen rutschte der Trainer der Bundesliga-Auswahl ins Feld und ist in seiner Gruppe sogar an eins gesetzt. Das Ziel ist deshalb klar: „Am Haupttag will ich gegen die Profis ins Rennen gehen“, sagt Schreyer, der neben Boll auch schon Dimitrij Ovtcharov als Gegner hatte.

Obwohl das Trainingspensum durch die vielen Tätigkeiten rund um den Verein nicht mehr so groß ist wie früher, fühlt sich der Vogtländer, der erst am heutigen Freitag anreist, fit. „Die letzten Ergebnisse in der 3. Liga haben gezeigt, dass ich mithalten kann. Außerdem achte ich viel mehr auf meinen Körper und habe diese Saison meinen Spaß“, nennt er sein Erfolgsgeheimnis.

Wenn es nach ihm ginge, könnte es im Doppel zusammen mit Sebastian Borchardt (Hertha BSC Berlin) gerne auch zu mehr reichen. „Er ist ein Partner, der mit meinem System zurechtkommt. Ich verstehe mich auch außerhalb mit ihm sehr gut. Viel hängt von der Auslosung ab, aber im Doppel hat man immer seine Chance. Wir schauen von Runde zu Runde“, so Schreyer.

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