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Marie Rost kommt per Fahrrad und fährt mit Silber im Doppel

02.05.2014 | Von: Thomas Stecher (Quelle: Thüringer Allgemeine)
Kategorie: Turniere

Mühlhäuserin stürmt bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Tischtennis vor heimischem Publikum aufs Podest

Mühlhausen. Auf dem Fahrrad, quasi noch in Zivil und ohne große Trainingstasche geschultert, kam Marie Rost am Freitagabend an der Georgii-Halle vorgefahren. Drinnen suchten die besten 48 Mädchen und die besten 48 Jungen der Republik im Einspiel gerade ihren Rhythmus für die anstehenden nationalen deutschen Meisterschaften der U18 im Tischtennis. Die junge Mühlhäuserin hatte gerade erst erfahren, dass sie beim wichtigsten Turnier des Jahres in ihrer Altersklasse überhaupt würde starten dürfen. Als Außenseiterin, als Nachrückerin für die verletzte Topfavoritin Nina Mittelham. Die Spielerin von Zweitligameister Bad Driburg hatte sich in der Partie gegen den MTV Totstedt vor einigen Wochen einen schmerzhaften Muskelfaserriss im Leistenbereich zugezogen. Trotz verordneter Zwangspause machte die Verletzung einen Start in Mühlhausen  unmöglich – Marie rückte also auf. Bekam nicht nur einen Platz im Einzel, sondern auch Mittelhams Doppelpartnerin, die hoch talentierte Alena Lemmer aus Hessen, zugeteilt. Ein, im wahrsten Sinne des Wortes doppelter Glücksfall, wie sich am Ende herausstellen sollte. Denn nach einer langen, intensiven deutschen Meisterschaft stand für Marie der größte Erfolg ihrer sportlichen Laufband zu Buch: eine DM-Silbermedaille.

"Ich bin ohne Erwartungen in diesen Wettkampf gegangen. Mir war auch gar nicht so wichtig, im Einzel aus der Gruppe zu kommen, sondern eher allen zu zeigen, dass ich auch noch da bin, dass ich auch noch Tischtennis spielen kann", erklärte Marie Rost ganz offenherzig. Auf der anderen Seite stand aber das Wissen, eben mit Alena Lemmer Doppel spielen zu können. Dass es natürlich für einen Sprung ins Endspiel reichen würde, war eine große Überraschung: "Es war ein richtig schönes Gefühl, mit Alena im Finale zu stehen. Gerade in Mühlhausen, wo ich lebe und wo mich alle anfeuern", sagte die Lokalmatadorin, die ihre sportliche Heimat schon vor geraumer Zeit beim TTC Schwarza gefunden hatte.

"Ich konnte von Glück sprechen, dass ich mit Marie Doppel spielen durfte", sparte auch Alena Lemmer nicht mit Lob für ihre Zufallspartnerin, mit der sie bis aufs Treppchen stürmte. Dass im Finale die favorisierten Einzel-Finalistinnen, Wan Yuan und Chantal Mantz, beim 1:3 zu stark waren, scheint nach dieser unglaublichen Erfolgsgeschichte wirklich nur eine Randnotiz wert.

Denn wie weit Thüringen, nüchtern betrachtet, von der nationalen Spitze der Jugend entfernt ist, zeigte sich vor allem in den beiden Einzelkonkurrenzen. In Gruppe 11 gewann Marie eines von drei Spielen, wurde "nur" Dritte und musste früh die Segel streichen. Ähnlich erging es ihren Auswahl-Kameradinnen Janina Ciepluch (Schwarza) und Patricia Jarsetz (Jena). Bei den Mädchen schaffte einzig Sophie Schädlich (Jena) den Sprung in die Hauptrunde, an deren Ende die starke Chantal Mantz aus Bayern ihren Titel verteidigen konnte.

Bei den Jungen hatte – zumindest für den gastgebenden Post SV ein positives Zeichen – der Mühlhäuser Regionalligaspieler Andreas Wenzel als einziger Starter des Thüringer Verbandes eine reelle Chance, die Vorrunde zu überstehen. Im ersten Spiel ließ der aufstrebende Postler gegen Tom Mayer aus Baden-Württemberg aber bereits drei Matchbälle ungenutzt (2:3). Gegen den späteren Gruppensieger, Nick Neumann-Manz aus Sachsen, sollte es gar noch schlimmer kommen. Der 16-Jährige führte 2:0 nach Sätzen, hatte beste Chancen und etliche Matchbälle. Einer davon hätte genügen können, um direkt ins Achtelfinale einzuziehen. Doch die Nerven spielten Andreas einen unliebsamen Streich – er wurde sogar noch abgefangen (2:3). Da tröstetet der abschließende Sieg über Christian Stofleth aus der Pfalz – ebenfalls ein 3:2-Krimi – wenig. Lindern dürfte die Enttäuschung, trotz stellenweise starker Leistung nicht weitergekommen zu sein, nur eine Tatsache: Der Mühlhäuser hat noch ein Jahr Zeit, eine weitere Chance, bei den deutschen Meisterschaften der Jugend, seine Potenzial unter Beweis zu stellen.

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